Frauenberatungs- und Therapiezentrum Stuttgart e.V.
Fetz e.V.
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Für junge Lesben

Wir haben hier einige Infos rund um die lesbische Lebensweise zusammengefasst. Speziell für junge Lesben aber auch für alle, die mehr über Lesben wissen wollen.

Fragen:

 

Wer ist lesbisch?

Lesbisch oder bisexuell zu sein hat nichts mit deiner Kultur, Hautfarbe oder Herkunft zu tun. Lesben und Schwule gibt es in allen Gesellschaften und Ländern, allen Berufen, in allen sozialen Schichten, auf dem Land und in der Stadt und dies schon seit Menschengedenken. Es gibt auch ganz unterschiedliche Umgangsweisen in verschiedenen Kulturen. Dies geht von Verfolgung bis hin zu besonderer Wertschätzung von Lesben und Schwulen.

Es gibt internationale Organisationen von Lesben und Schwulen wie zum Beispiel die IGLYO - International Gay and Lesbian Youth Organisation Postbus 542, NL -1000 Amsterdam, iglyo@intex.de. Als Buchtipp: van Dijk, Lutz:"Coming-out. Lesben und Schwule aus aller Welt", Düsseldorf: Patmos,1997

 

Wie leben Lesben?

Lesben leben genauso vielfältig wie heterosexuelle Leute. Manche leben enge langjährige Beziehungen mit einer Partnerin, wieder andere ziehen es vor kürzere, nicht so enge Beziehungen zu haben. Es gibt lesbische Mütter, lesbische Erfolgsfrauen, lesbische Verkäuferinnen, lesbische Rollstuhlfahrerinnen, lesbische junge Frauen, alte Frauen...............einfach so wie andere Leute auch.

 

Wie wird ein Mädchen lesbisch oder bisexuell?

Es gibt unterschiedliche Theorien dazu, wie Menschen homosexuell werden. Manche Theorien gehen davon aus, dass Lesben und Schwule von Natur aus so sind, andere suchen nach Umständen in der Erziehung oder den jeweiligen Erfahrungen.
Das amerikanische Ehepaar Kinsey (beide Sexualforschende) hat viele bestehende Theorien zur Entstehung von Homosexualität geprüft und konnte keine Übereinstimmungen zwischen ihnen feststellen. Auch konnten sie keine wirklich schlüssigen Theorien finden. Sie gehen deshalb davon aus, dass wir uns die unterschiedlichen Formen von Hetero- und Homosexualität eher als eine Skala vorstellen können, bei der auf der einen Seite Leute stehen, die ausschließlich lesbisch oder schwul sind und auf der anderen Seite Leute, die ausschließlich heterosexuell sind. Die große Mehrzahl von Menschen fühlt irgendwo zwischen diesen beiden Polen.

Erklärungen, die danach suchen, was mit Lesben und Schwulen falsch gelaufen ist, haben mehr mit den Vorurteilen der Forschenden zu tun als mit der Wirklichkeit. Es gibt im Tierreich Homosexualität, so neuere biologische Studien. Und wieso wissen das erst so wenige? Manche Biologen geben offen zu, dass sie sich früher nicht getraut haben diese Ergebnisse zu veröffentlichen, nach dem Motto: es kann nicht sein, was nicht sein darf.

 

Was kann ich tun, wenn ich denke, dass ich lesbisch oder bisexuell bin?

Es ist sehr mutig, wenn Du Dir Deine Gefühle anschaust, die vielleicht im Widerspruch zu dem stehen, was allgemein anerkannt und akzeptiert ist. Wenn Mädchen sich zu anderen Mädchen / Frauen hingezogen fühlen, haben sie manchmal Befürchtungen, wie ihr Leben zukünftig aussehen könnte. Selbst Mädchen, die keine Probleme mit ihren lesbischen Gefühlen haben, haben oft Angst vor den Reaktionen der anderen oder haben mit realen Problemen in ihrem Umfeld zu kämpfen. Wichtig ist es Menschen zu finden, die Dich verstehen oder die ähnlich empfinden wie Du. Kontakt kann Dir helfen die schönen Seiten des Lebens zu sehen und zu erkennen, dass es andere lesbische und bisexuelle Mädchen gibt. Andere kennen zu lernen ist für viele toll, denn dann kannst du sehen, wie normal und freudvoll Lesbischsein ist.

 

Lesbische Sexualität?

Lesbische Sexualität ist so vielfältig wie jede andere Sexualität auch. Wichtig ist, dass Du herausfindest, was Dir Spaß macht und nichts tust bei dem Du Dich unbehaglich fühlst. Es gibt keinen Plan, was Ihr tun müsst. Viele Lesben mögen es sich mit den Händen und mit dem Mund zu liebkosen und zu erregen, für die meisten gehören Zärtlichkeit, Küssen und sich Streicheln dazu. Manche mögen es sehr zart, andere mögen es lieber härter und heftiger. Es ist einfach so wie sonst im Leben: es gibt verschiedene Geschmäcker und was der einen gefällt, muss der anderen noch lange nicht gefallen.

So gibt es Lesben, die Sex nur in einer festen Partnerschaft leben und andere, die Sex und Liebe für sich trennen. Sind hier unterschiedliche Vorstellungen vorhanden, kann das zu Verletzungen führen. Deshalb kann es wichtig sein, dass Du mit Deiner Partnerin über Deine Bedürfnisse und Vorstellungen redest.

In unserer Gesellschaft ist Sex oft eine große Sache, die man und frau tun muss, die anscheinend immer supertoll ist und immer klappt. Lass Dich davon nicht bluffen. Auch Sex ist etwas, was frau für sich entwickelt, was sie lernen kann, und Anfängerin zu sein bedeutet nichts weiter als Anfängerin zu sein. Mach Dir also keinen Stress und versuch nicht perfekt zu sein, schau einfach nach Deinem Tempo und nach dem Tempo Deiner Partnerin, sei erfinderisch und schau was Dir gefällt. Das kann sich im Laufe der Zeit auch verändern, also keep cool und verlange nichts von Dir. Auch wenn Du schon eine nicht so tolle Erfahrung gemacht hast, heißt das nicht, dass es so bleiben muss.

 

Was ist mit Aids?

Das Ansteckungsrisiko bei Sexualität zwischen Frauen ist relativ gering, jedoch möglich. Grundsätzlich gilt: Scheidenflüssigkeit und Blut, einschließlich Menstruationsblut kann Aids übertragen. Wenn Du also Wunden an den Händen hast, solltest Du Latexhandschuhe benutzen, wenn Du Deine Partnerin vaginal oder anal erregst. Auch wenn Du mit Mund und Zunge die Vulva Deiner Partnerin stimulierst, ist es möglich, dass Du Dich anstecken kannst. Um Dich dabei zu schützen, kannst Du Frischhaltefolie, ein auseinander geschnittenes Kondom oder einen auseinander geschnittenen Latexhandschuh als Barriere benutzen. Für alle Latexsachen gilt, verwende ein Gleitmittel auf Wasserbasis. Falls Ihr Vibratoren oder einen Dildo teilt, schützt ihn ebenfalls mit einem Kondom, das Ihr bei jeder Frau wechselt.

 

Wie finde ich Kontakt- und Freizeitmöglichkeiten?

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, wie Du mit anderen jungen Lesben oder Bisexuellen in Kontakt kommen kannst. Gruppen für junge Lesben wie z.B. im Fetz sind eine Möglichkeit. Über Internetadressen wie unter www.lesben.org kannst Du ganz viele Infos zum Thema Lesben finden. Daneben bieten sich allgemeine Stadtmagazine als Infoquelle an, da sie oft auch eine Rubrik Lesben und Schwule haben. Es gibt außerdem das Jugendnetzwerk Lambda für junge Lesben und Schwule unter www.lambda-online.de. Sie veranstalten auch immer wieder Jugendfreizeiten für junge Lesben und Schwule.

 

Wo gibt es Bücher / Filme für Lesben?

Bücher und Videos von und für Lesben kannst Du gut im Frauenbuchladen in Tübingen www.frauenbuchladen.net oder dem schwul-lesbischen Buchladen in Stuttgart kaufen. Sie haben eine Rubrik für Lesben und eine sehr große Auswahl. Es gibt inzwischen echt viele gute Bücher. Am besten ist es, Du schaust Dir Bücher an und kuckst, was Dir gefällt.

  • Frauenbuchladen Thalestris
    Bursagasse 2, 72070 Tübingen, Tel: 07071/26590
  • Erlkönig
    Nesenbachstr. 52, 70178 Stuttgart, Tel: 0711/2369003
  • Bücher findest du auch in der Leihbibliothek von  

www.das-sarah.de, Johannesstr. 13, 70176 Stuttgart


Hier eine kleine Auswahl:

  • Bass, Ellen; Kaufmann, Karin: " Wir lieben wen wir wollen", Orlanda, 1999
  • Bauer, Marion Dane (Hg.): "Am I Blue? 14 Stories von der anderen Liebe", Hamburg: Carlsen 1996
  • Fischer, Erika: "Aimee und Jaguar. Eine Liebesgeschichte, Berlin 1943" Köln: KiWi, 1994
  • Levin, Anna: "Verstecken ist out", Wien: Überreuter, 1994  Lesbisch-schwules Schulprojekt Fluss e.V.: (Hg.)
  • "Das lesbischwule Coming-out-Buch. Lesben und Schwule erzählen ihre Geschichte", Berlin: Rosa Winkel, 1999
  • Micus, Andrea: "Und auf einmal weißt du, dein Kind ist anders. Mütter von homosexuellen Söhnen und Töchtern berichten", Bergisch-Gladbach: Lübbe,1992
  • Müntefering, Mirijam: "Flug ins Apricot", Wien: Milena,1999
  • Mullins; Hilary: "Die Katze kam zurück" Frankfurt am Main: Alibaba, 1995
  • van Dijk, Lutz: "Coming-out. Lesben und Schwule aus aller Welt", Düsseldorf: Patmos,1997

 

Mit wem kann ich gut reden?

Wenn Du überlegst, mit wem Du über Deine lesbischen Gefühle reden kannst, hier eine kleine Checkliste, die Dir helfen kann, geeignete Personen zu finden.

  • Hat sie oder er eine positive Einstellung gegenüber Lesben?
  • Kann sie oder er gut zuhören?
  • Ist es sicher, dass sie oder er nicht herumquatscht?
  • Wird sie oder er Dich ermutigen?

 

Kann ich es meinen FreundInnen sagen?

Sich FreundInnen gegenüber zu öffnen kann Angst machen. Es bedeutet ehrlich zu sein mit der Unsicherheit, vielleicht zurückgewiesen zu werden. Wenn Du bisher allerdings eher isoliert lebst, weil Du Dich von vielen zurückgezogen hast, kann ein Coming-out bedeuten, eher Leute kennen zu lernen, die Dich so akzeptieren wie Du bist.

Wahrscheinlich kannst Du in etwa einschätzen, wer zu Dir steht und wer nicht. Für junge Lesben und Schwule ist es nicht ungewöhnlich von weitläufigen Bekannten abgelehnt zu werden, doch die meisten haben FreundInnen, die ihren Mut bewundern und ihnen helfen.

Es gibt ganz unterschiedliche Wege sich zu öffnen. Grundsätzlich ist es wichtig zu sehen, dass es ganz und gar Deine Entscheidung ist, wie Du Dir Dein Coming-out vornimmst, wieviel Zeit Du dafür brauchst und wem Du von Dir erzählen möchtest. Auch erwachsene Lesben wägen immer wieder ab, bei wem und wie sie ein Coming-out haben. Wichtig ist: Du hast jeden Tag eine neue Chance, das zu tun was für Dich richtig ist. Und: Auch das Geheimhalten hat seinen Preis, denn wenn Du so viel von Dir verbergen musst, kannst Du nicht so spontan mit Leuten umgehen und es strengt ja auch an, sich vor "Bloßstellung" zu schützen. Du musst ausweichen und von "gefährlichen" Themen ablenken.

 

Soll ich mit meiner Familie reden?

Wenn Du Dein Coming-out in der Familie haben willst, denke über Deine Familie nach. Wie werden Deine Eltern wohl reagieren? Du kannst z.B. die Lage prüfen, indem Du allgemein über Lesben und Schwule redest und mal kuckst, was dann passiert. Es kann hilfreich sein, wenn Du es Ihnen in einer Situation sagst, in der Du Dich sicher und stark fühlst. Es hilft, wenn ihr alleine seid, wenn Du es sagst und dass Du es nicht aus Trotz sagst oder weil Du wütend bist, denn dann nehmen Dich Deine Eltern vielleicht nicht ganz ernst.

Wenn Du Informationsmaterial für Deine Eltern hast und offen für ihre Fragen bist, kann das die Situation erleichtern. Kostenlos kannst Du folgende Broschüre bestellen, die sich an Eltern richtet:
"Unser Kind fällt aus der Rolle. Über Geschlechtsrollen und sexuelle Orientierung" Köln: 1994.
Bezug: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Viele Eltern reagieren zuerst befremdet, vielleicht auch ärgerlich auf ein Coming-out, denn auch für sie ist es schwer mit einer lesbischen / bisexuellen Tochter umzugehen. Aber bei den meisten legt sich das mit der Zeit - gib ihnen und Dir eine Chance.

Falls Du große Schwierigkeiten hast und keine Besserung in Sicht ist, such Dir Unterstützung bei Leuten die Dir weiterhelfen können. Lauf nicht ohne Ziel von Zuhause weg.

 

Was kann ich tun, wenn ich verzweifelt bin?

Wenn es Dir ganz schlecht geht, Dich niemand versteht oder Du denkst, dass Dich niemand versteht, flüchte Dich nicht in Drogen oder Alkohol und gib nicht auf. Viele die heute glücklich als Lesben und Schwule leben, haben Krisen durchgemacht, manche dachten sogar daran sich umzubringen. Wende Dich an eine Beratungsstelle, suche Menschen, die Homosexuellen gegenüber aufgeschlossen sind und vertraue Dich ihnen an.

P.S.: Auch BeraterInnen sind normale durchschnittliche Menschen. D.h. auch da gibt es Vorurteile etc. Deshalb gilt auch da - suche nach Leuten, die eine positive Sicht auf Lesben und Schwule haben. Vertraue Deinem Gefühl, wenn Du Dich schlecht behandelt fühlst.